Antrag: Teilhabe als Querschnittsthema

Präambel

Ein friedliches Miteinander innerhalb einer Kultur gegenseitiger Achtung geht uns alle an. Aus unterschiedlichsten Gründen haben wir aber nicht alle gleich viel Kraft und gleiche Möglichkeiten, um Vielfalt und gegenseitigem Respekt eine Stimme zu geben.

Als Repräsentant*innen der Student*innenschaft begleitet unser Handeln stets die Frage:  “Für wen sprechen wir gerade und für wen nicht?

Wir tragen alle gemeinsam Verantwortung für eine gelingende Zeit an der Uni Vechta, die auf Freundschaftlichkeit, Gemeinschaftlichkeit und Willkommensein fußt. Es reicht nicht, wenn einige Wenige sich in einer Gleichstellungskommission / einer Initiative zur Gleichstellung / als Antidiskriminierungsbeauftragte / etc. engagieren, um eine flächendeckend diskriminierungsfreie Hochschule zu erschaffen. Wir können uns nicht darauf ausruhen, dass ein paar Institutionen auf dem Campus gute Arbeit in dieser Sache vollbringen.

Denn leicht haben sie es nicht: Die Strukturen in Gremien machen nachträgliche Korrekturen an Ordnungen, Verfahren und Beschlüssen zur bürokratischen Herausforderung. Um vermeintlich unsichtbare Interessen wirklich initiativ, aktiv und begleitend an Entscheidungen teilhaben zu lassen, reichen keine Extra-Einrichtungen zur Gleichstellungsarbeit. Stattdessen braucht es jede*n einzelne*n.

Es erfordert Sensibilität und Achtsamkeit in der jeweiligen Sache, um die folgenden Themenbereiche während der Entscheidungsprozesse sichtbar und gegenwärtig zu halten.

Jede*r von uns hat blinde Flecken. Das heißt, dass niemand jede Art der Diskriminierung und jede Form von Ungerechtigkeit bereits selbst erfahren hat oder davon gehört haben muss. Wann immer es möglich ist, sollten wir daher als einzelne der Student*innenschaft unser Wissen hinsichtlich uns bekannter Diskriminierungsformen einbringen und aktiv – ob betroffen oder nicht – an deren Abbau mitwirken.

Antragstext

Viele Angehörige werden in sozialen Räumen in und um die Universität durch Sexismus, Rassismus, Klassismus, Ableismus, Homo- und Transfeindlichkeit usw. strukturell benachteiligt. Sie betreffen Bereiche der Ökonomie, d.h. der Bezahlung in wissenschaftlichen Arbeitsfeldern, der sozialen Ordnung an Hochschulen im Sinne einer Klassifizierung und Rassifizierung von Student*innen und deren Möglichkeit zur Teilhabe an Wissensproduktion, der öffentlichen Teilhabe an Hochschule und Wissenschaft und damit auch der Sichtbarkeit von sogenannten Minderheiten und deren Standpunkten innerhalb von Bildungsinstitutionen. Darüber hinaus spiegeln sich in den strukturellen Bedingungen, die Hochschulsysteme implementieren (NCs, Regelstudienzeit, BAföG-Regelungen usw.) oftmals vorstrukturierte Ausschlüsse, die sich dann auf inhaltlicher Ebene (Inhalte und Art der Lehre und Forschung, Methoden und Ergebnisse der Forschung) fortsetzen.

Daraus muss folgern, dass alle Teile der verfassten Student*innenschaft die vorliegenden Mechanismen zum Gegenstand ihrer inhaltlichen Auseinandersetzungen machen müssen.

Im Rahmen dieses Antrags sollen dafür einige Empfehlungen aufgelistet werden, die ausdrücklich nicht alle Diskriminierungsformen und Situationen abdecken können, sondern sich aus der Selbstreflexion des AStAs in der Sitzung am Mo, 25.06.2018 ergeben haben. Der AStA ist durch seine Sitzungsfrequenz dazu in der Lage diesen inhaltlichen Aufschlag in die Wege zu leiten. Die Umsetzung muss jedoch jedes Gremium stets selbst beachten.

Familienfreundlichkeit: Im Hinblick auf die Zeitfenster, in denen zu Sprechstunden, Veranstaltungen, Sitzungen, etc. eingeladen wird, sollte zukünftig die Zugänglichkeit für Familien größere Beachtung finden. Das heißt nicht, dass jede Veranstaltung tagsüber stattfinden muss, sondern dass ein in dieser Hinsicht erweitertes Angebot an kulturellen und politischen Veranstaltungen existiert. Ideen, wie ein Kinderbetreuungsangebot für Gremienmitglieder sollen geprüft werden.

Barrierefreiheit: Menschen mit Beeinträchtigungen müssen Berücksichtigung finden. Sowohl die bauliche Umwelt wie die Gestaltung von Informationsangeboten soll stets auf leichte, einfache Zugänglichkeit geprüft werden. Derzeit ist weder das AStA Büro, noch sind viele weitere Veranstaltungsorte, barrierefrei. Der Campus weist mehrere bauliche Mängel auf und vorhandene Angebote sind teils mit einem wesentlichen Umweg verbunden. Durch das landesweite Semesterticket haben die verfassten Student*innenschaften zusätzlich die Möglichkeit sich stärker für barrierefreie Bahnhöfe einzusetzen.

Neben sichtbaren und unsichtbaren körperlichen Einschränkungen gibt es bislang keine Möglichkeiten für Menschen mit psychischen Erkrankungen, die die Teilhabe an (hochschulpolitischen) Veranstaltungen vereinfacht. Ein möglicher Ansatz sind Rückzugsmöglichkeiten sowohl während Sitzungen als auch auf Partys.

Verständlichkeit: Gemeinsam mit den Fächern können Übersetzungen von Formularen, Ausschreibungen, Bekanntmachungen usw. in einfacher Sprache und Englisch veröffentlicht werden. Im Hinblick auf die neue AStA-Homepage und die Präsenz in sozialen Medien aller Gremien soll das Thema leichte Sprache / Englisch mehr Berücksichtigung finden. Auch internationalen Student*innen sollen so die Möglichkeit bekommen sich hochschulpolitisch zu engagieren bzw. sich mindestens  darüber informieren zu können was hochschulpolitisch um sie herum passiert.

Machtverhältnisse:

Die Zugänglichkeit zur Hochschulpolitik wird erheblich durch fehlendes Wissen erschwert. Gewählte Parlamentarier*innen, Referent*innen und Fachratsmitglieder haben gleichermaßen mit Informationsungleichheiten zu kämpfen. Auf konstituierenden Sitzungen muss Wissen weitergegeben werden – nicht nur auf struktureller und inhaltlicher Ebene sondern auch auf zwischenmenschlicher Ebene. Zum Beispiel: Was ist in letzter Legislaturperiode diskutiert worden? Was wird mit in die nächste Legislatur getragen? Wie gestalteten sich die Diskussionen?

Unterschiedliche Gremien sollen sich gegenseitig anerkennen und einander nicht übergehen. Den Fachräten sollen beispielsweise nicht die inhaltliche Arbeit vom AStA abgenommen werden. Die Referate des AStA sollen nicht inhaltliche Fragen an sich binden und die Bachelor- und Masterbeauftragten der Fachräte stärker mit einbeziehen. Wir wollen gemeinschaftlich arbeiten und uns gegenseitig vertrauen.

Bei der Zusammensetzung von Gremien ist zu beachten, dass sie nicht die gesellschaftlichen Machtverhältnisse reproduzieren, sondern die tatsächlichen Vielfalt widerspiegeln. Das heißt, dass beispielsweise männlichen Domänen aktiv entgegen gearbeitet wird. Nicht-privilegierte Personengruppen sollen zur Teilhabe an der Hochschulpolitik motiviert werden.

Die Häufung der Ämter auf wenige verhindert verschiedene Blickwinkel auf Thematiken und baut Hemmschwellen gegenüber Menschen auf, die sich neu in Gremien einfinden wollen. Vorkenntnisse zu besitzen kann Vorteile mit sich bringen, soll aber durch transparente Arbeitsweise in den einzelnen Gremien für alle Menschen nachvollziehbar und erlernbar sein. Ausdrücklich achten wir dennoch diejenigen, die sich über diverseste Ämter hinweg in den Dienst der Student*innenschaft stellen.

Zuletzt sei noch gesagt, dass diese Beispiele für Teilhabe als Querschnittsthema nicht endgültig abschließbar sind. Die Liste ist immer wieder neu zu reflektieren und vor allem stetig zu erweitern. Die Formen, in denen Teilhabe erschwert wird sind komplex miteinander verbunden. Dieses Zusammenwirken verschiedener zugeschriebener Persönlichkeits- merkmale wird unter dem Wort Intersektionalität zusammengefasst. Durch intersektionelle Ausschlussformen ist Zugang und Teilhabe für Betroffene erheblich erschwert. Das Aufzeigen von Diskriminierung ist ein anhaltender und nie vollständiger Prozess.

Der Fachrat XY beschließt hiermit, dass er die dargestellten Themengebiete in seine Arbeiten mit einbeziehen wird. Mit dem Antrag wird sich innerhalb des Gremiums langfristig beschäftigt d.h. sowohl explizit (etwa in Reflexionen und im Rahmen der Neukonstituierung der Fachräte) als auch implizit (etwa bei der Planung und Durchführung von Veranstaltungen; Wahlen; Veröffentlichungen).

Antragsteller*innen

AStA

  • Der Antragstext orientiert sich inhaltlich am Antrag 59-8-S-02 aus der 59. Mitgliederversammlung des fzs vom 2. bis 4. März 2018 von den Antragsteller*innen: Ausschuss für Frauen- und Geschlechterpolitik u.a.